Wer dient hier eigentlich wem? KI auf der Schaffarei-Bühne bei „Move fast and break things“

20. Februar 2026
Schauspielszene aus dem Theaterstück „Move fast and break things“ von Daniela Egger, gezeigt im Schaffarei Club in Feldkirch: Ein Schauspieler in schwarzer Kleidung sitzt verkehrt herum auf einem Holzstuhl auf der Bühne und gestikuliert eindringlich mit ausgestreckter Hand ins Publikum. Im Vordergrund sind die Silhouetten der Zuschauer:innen zu sehen, im Hintergrund eine Steinwand, ein Bildschirm und ein Ledersessel.
© AK Vorarlberg

Ist die KI unser Werkzeug – oder „benutzt“ sie uns selbst als Werkzeug, um von uns zu lernen? Und was, wenn sie dabei schlauer wird, als wir selbst es sind? Daniela Eggers Theaterstück „Move fast and break things“ geht den wichtigen  Fragen zur Künstlichen Intelligenz auf den Grund. Wie es sich anfühlt, wenn diese zu unangenehmen Antworten führen, erfährt Max (David Kopp) auf der Schaffarei-Bühne. 

Max muss sich im Dunkeln rasieren. Erst, wenn er seine täglichen Hygiene-To-Dos erledigt hat, geht das Licht wieder an. Eine Erziehungsmaßnahme, die seine allgegenwärtige KI-Assistentin ihm verordnet hat. Dabei muss Max heute ohnehin nicht ins Büro. Der KI-Avatar, den er von sich selbst erstellt hat und der in der Firma alle seine Aufgaben übernimmt, hat ihn ausgesperrt. Die Künstlichen Intelligenzen, die Max’ Privat- und Berufsleben erleichtern sollten, drängen ihn nun aus beiden hinaus. Und er? Hat keine Handhabe gegen das System, weil das System ihn gar nicht erst hineinlässt. 

Mit diesem düsteren und geradezu dystopischen Szenario startet „Move fast and break things“, das neue Theaterstück, das die Vorarlberger Autorin Daniela Egger im Auftrag der AK Vorarlberg geschrieben hat.

„Der Einzug der KI in unseren Arbeitsalltag bringt einige Berufszweige in eine existenzielle Verunsicherung und das Silicon-Valley-Mantra ‚Move fast and break things‘ erfüllt dabei seinen Auftrag – es gibt keinerlei Prüfung oder Zulassungsverfahren für eine Markteinführung, die KI ist da und sie ist effizient.“

Schauspieler David Kopp steht auf der Bühne des Schaffarei Clubs in Feldkirch und spielt in dem Theaterstück „Move fast and break things" von Daniela Egger. Er trägt einen dunkelgrauen Hoodie mit gelbem Logo und schwarze Jogginghose und lehnt mit dem rechten Arm an der beleuchteten Natursteinwand. Sein Mund ist leicht geöffnet, als ob er gerade spricht. Im Vordergrund sind die Silhouetten von Zuschauern zu sehen.
© AK Vorarlberg

„Der Einzug der KI in unseren Arbeitsalltag bringt einige Berufszweige in eine existenzielle Verunsicherung und das Silicon-Valley-Mantra ‚Move fast and break things‘ erfüllt dabei seinen Auftrag – es gibt keinerlei Prüfung oder Zulassungsverfahren für eine Markteinführung, die KI ist da und sie ist effizient“, hält Egger fest. „Wie es den Menschen dabei gehen kann – gerade denen, die sich mit großer Begeisterung der neuen Möglichkeiten bedienen – lässt sich in einem Theaterstück wunderbar humorvoll zeigen. Lustig ist das Thema aber keineswegs.“

Uraufgeführt wurde „Move fast and break things“ am 5. Februar 2025 – mit großem Erfolg.  An allen drei Spielabenden  war der Schaffarei Club bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Gäste verfolgten, wie David Kopp in der Rolle als Max gegen die KI kämpft – und wie er in seiner zweiten Rolle als Nick die Künstliche Intelligenz in den höchsten Tönen lobt.

Anders als Max steht Nick nämlich noch ganz am Anfang seiner KI-Reise. Er ist euphorisiert von den Möglichkeiten, welche die Künstliche Intelligenz verspricht. Klar, es gibt auch Abstriche, räumt Nick ein. Aber was ist schon Selbstbestimmtheit, wenn man Effizienz und eine kostenlose persönliche Assistentin haben kann? 

Blick in den gewölbten Zuschauerraum des Schaffarei Clubs in Feldkirch während einer Vorstellung von „Move fast and break things" von Daniela Egger. Das Publikum sitzt im Dunkeln und schaut auf eine Leinwand, auf der ein Videoeinspieler mit Schauspieler David Kopp zu sehen ist. Er trägt ein weißes, historisch anmutendes Kostüm mit Rüschen und hält eine Tasse in der Hand, während er mit aufgerissenen Augen und erhobenem Zeigefinger in die Kamera schaut. Der Raum ist aus Naturstein gemauert und in blaues Licht getaucht.
© AK Vorarlberg

Die Versöhnung dieser beiden entgegengesetzten Standpunkte kommt von der dritten und vierten Rolle Kopps: Als Hegel höchstpersönlich philosophiert er mit der KI – beide verkörpert von ihm selbst – und denkt dabei die Bedeutung des Knecht-Motivs durch: Wenn wir die KI als Werkzeug nutzen, ist sie dann der Knecht? Und wenn sie dabei mit jeder Aufgabe, mit jedem Prompt lernt, kommt dann irgendwann der Punkt, an dem sie sich über unserhebt? Oder verschmelzen Knecht und Herr zu einer Einheit?

Alt-Text:  „Podiumsdiskussion zum Thema Künstliche Intelligenz im Schaffarei Club in Feldkirch im Anschluss an das Theaterstück „Move fast and break things" von Daniela Egger. Vier Personen sitzen auf Stühlen vor einer Natursteinwand und einem leeren Bildschirm. Eine Frau in der Mitte spricht gerade ins Mikrofon. Links neben ihr sitzt ein Mann in kariertem Hemd, rechts von ihr ein Mann mit Brille, der nachdenklich die Hand ans Kinn hält, und ganz rechts eine Frau im Blazer. Im Vordergrund sind die Köpfe des Publikums zu sehen.
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Mit diesen philosophischen Fragen wurden die Gäste nicht einfach in den Abend entlassen. Im Anschluss an die Aufführung nahmen Expert:innen auf der Bühne Platz und ordneten das Thema ein. Am ersten Abend waren das Sabrina Schneider, Leiterin der Forschungsgruppe Digital Business Transformation an der FH Vorarlberg, Sebastian Ganger, Data Analyst bei Illwerke VKW und Dominic Götz, Leiter der Abteilung Interessenpolitik bei der AK Vorarlberg. In weiterer Folge diskutierten Julia Sammer, AI Analyst bei Liebherr, Martin Mühlburger von der Filmproduktionsfirma Fräulein Müller & Söhne, FAV-Geschäftsführer Markus Metzger, Marcel Nague von der Smarthome-Firma Intefox, Helmut Rabanser vom Transformationsbegleiter Kumavision und AK Präsident Bernhard Heinzle.

Sie alle gaben Einblick in die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt, diskutierten Lösungswege und sammelten Erfahrungen aus dem Publikum. Die Gäste zeigten Neugier und Begeisterung, aber auch Skepsis und Vorsicht.

In einem waren sich aber alle einig: Die KI ist gekommen, um zu bleiben. Gut, wenn man sich damit auskennt.

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