Fotograf Christian Stuppner: „Das einzige, was wirklich Bestand hat, ist der Wandel“

25. März 2026

​​Die Ausstellung des Museum des Wandels ist bis Ende Juni im Foyer der AK Vorarlberg in Feldkirch für Besucher:innen geöffnet.

Schwarz-Weiß-Porträt des Fotografen Christian Stuppner: Ein älterer Mann mit weißen Haaren und Bart sitzt entspannt auf einem Stuhl, lächelt und blickt zur Seite. Im Hintergrund steht eine Kamera auf einem Stativ neben einem Fenster und einer Vase.
© Hanno Mackowitz

Manchmal brauchen Veränderungen Zeit – und manchmal bräuchte es mehr Zeit, um Veränderungen überhaupt fassen zu können. Christian Stuppner kann ein Lied davon singen. In seiner Lehre zum Fotografen hat er noch das händische Entwickeln von Filmstreifen in der Dunkelkammer gelernt, am Ende seines Arbeitslebens gehörte Photoshop zum alltäglichen Werkzeug. Dazwischen liegt in vergleichsweise kurzer Zeit eine ganze Reihe von bahnbrechenden technischen Fortschritten: die Nachbearbeitung von Fotos am Computer, der Wechsel der Zeitungsbranche vom Bleisatz zum Desktop Publishing – und überhaupt die Digitalfotografie.

Vernissage der Ausstellung „Museum des Wandels" der AK Vorarlberg: Der Fotograf Christian Stuppner steht mit einem Mikrofon in der Hand und gestikuliert in Richtung zweier Vitrinen, in denen eine Filmrolle und eine Speicherkarte ausgestellt sind. Eine Moderatorin steht ihm gegenüber, im Hintergrund verfolgt eine Gruppe von Besucherinnen und Besuchern die Eröffnung. An der Glasfassade ist ein großformatiges Porträtfoto von Christian Stuppner zu sehen.
© AK Vorarlberg

Christian Stuppners Begeisterung für Fotografie ist ihm in die Wiege gelegt worden: Schon seine Mutter war Berufsfotografin, ebenso sein Vater und sogar sein Großvater. Seine Vorfahren betrieben in Hall in Tirol sogar ein Fotogeschäft. Für den jungen Christian war damit klar, wohin ihn auch sein Berufsleben führen würde: in die Fotografie.  „Auch wenn meine Mutter davon anfangs nicht gerade begeistert war“, erinnert sich Stuppner lachend. „Am Ende unterstützte sie mich aber doch.“

Erste Berührung mit technologischem Fortschritt

Nach dem Gymnasium nimmt der damals 18-Jährige also eine Lehre zum Fotografen auf. „In Viktor Rosmanns Studio Aviction in Innsbruck“, erzählt Stuppner. Die Entscheidung für den Ausbildungsbetrieb ist keine zufällige: Aviction machte vornehmlich Tonbildschauen, eine zur damaligen Zeit sehr fortschrittliche Technologie: „Mit mehreren Projektoren wurden mit Überblendungen große Tonbildschauen gemacht.“ Stuppners erste Berührung mit dem Fortschritt also – aber nicht nur: „Neben meiner Ausbildung in Studio- und Portraitfotografie musste ich tausende Dias rahmen“, schildert er schmunzelnd.

An der Berufsschule entbrennt in ihm neben der Leidenschaft für die Fotografie noch eine weitere: Er lernt seine Frau kennen. Als das erste Kind unterwegs ist, übersiedelt die kleine Familie nach Vorarlberg. Stuppner nimmt zunächst zwei berufsfremde Jobs an und landet 1989 schließlich bei dem Arbeitgeber, dem er bis zur Pension treu bleibt: den Vorarlberger Nachrichten. 

Umzug nach Vorarlberg – und ins Zeitungsgeschäft

„Ich arbeitete anfangs als Fotograf und betreute die Schwarz-Weiß-Dunkelkammer“, so Stuppner. Von da an gehen die technischen Fortschritte Schlag auf Schlag: Schon ein Jahr nach seinem Einstieg bei den Vorarlberger Nachrichten erhalten Stuppner und seine Kolleg:innen die ersten Macintosh-Computer. „Wir sollten damit die Bildbearbeitung mit Photoshop lernen“, erinnert sich Stuppner. Die digitale Bildbearbeitung war aber nicht das einzige Neuland: „Das Programm gab es damals nur auf Englisch – auch die Handbücher. Also lernten wir nach dem Prinzip ,Learning by doing´“, schmunzelnd der Fotograf.

„Wir waren eine großartige Abteilung und unterstützten uns gegenseitig. Es war eine unheimlich spannende Zeit: Es wurden keine Kosten gescheut, und wir hatten stets die modernste Ausrüstung.“ 

Das betraf übrigens nicht nur Computer und später auch die ersten iPhones, sondern auch Großgerät: „Etwa 1994 wurde eine neue Druckmaschine angeschafft: Die erste Vierfarbmaschine, mit der man durchgängig alle Seiten vierfarbig drucken konnte. Das war weltweit die erste Maschine dieser Art und sie wurde in Schwarzach aufgestellt“, hebt Stuppner hervor. „Viele wissen gar nicht, wie fortschrittlich das Medienhaus damals war.“

Das Ende – und der Neuanfang – einer Ära

Das neue Druckverfahren brachte auch einen tiefgreifenden Wandel in der Zeitungsfotografie mit sich: Vierfarbsätze wurden bis dahin noch händisch mittels Handlithografie erstellt. Dafür benötigten die Medienhäuser etwa 30 bis 35 Bogen Film brauchten. Nun war es möglich, die Vierfarbsätze direkt am Computer zu erstellen. Dieses Desktop Publishing wurde zum Standard und verdrängte die Arbeit mit Film im Zeitungswesen komplett. „Das Desktop Publishing ermöglichte erstmals, ganze Seiten am Bildschirm zu montieren – Text, Bild und Layout wurden vollständig am Computer erstellt“, erläutert Stuppner. „Besonders bei Inseraten war das eine enorme Erleichterung: Kurzfristige Korrekturen oder Änderungen konnten plötzlich mit wenigen Klicks erledigt werden, während dies früher sehr aufwandsintensiv war.“ Wie bei vielen technischen Fortschritten führte das auch hier zu Veränderungen in den Berufsbildern:

„Berufe wie Schriftsetzer, Lithograf oder Chemigraf verschwanden oder gingen in neue Berufsprofile über. Heute sind diese Tätigkeiten in der Ausbildung zum Druckvorstufentechniker zusammengefasst.“

Aufbruch ins World Wide Web

Parallel eroberte eine weitere Neuerung nicht nur die Medienbranche, sondern die ganze Welt: das Internet. „Eugen Russ erkannte schnell dessen Bedeutung und gründete die Firma Teleport; kurz darauf trat man mit vol.at als Online-Plattform und Provider auf“, schildert Stuppner. Für seinen Bereich hatte diese Entwicklung auch Nachteile: „Der Fokus des Unternehmens verlagerte sich zunehmend auf das Internet, während die Printzeitung an Bedeutung verlor.“ Stuppner, der Mitte der 1990er Jahre die Abteilungsleitung übernahm, musste in der Folge mit immer weniger Personal auskommen: „Ursprünglich waren wir acht Personen, die Zahl wurde jedoch jedes Jahr reduziert, während die Arbeitsmenge stetig zunahm.“

Der Fotograf Christian Stuppner spricht bei der Vernissage zur Ausstellung „Museum des Wandels" der AK Vorarlberg in ein Mikrofon. Er trägt ein weißes Hemd mit grauer Weste und eine schwarze Brille. Vor ihm stehen Gläser und eine Wasserflasche auf dem Tisch.
© AK Vorarlberg

Der dadurch entstandene Arbeitsdruck ist auf Dauer nicht ohne Spuren zu bewältigen. Im Jahr 2003 rutscht Stuppner in eine gesundheitliche Krise. Glücklicherweise reagiert die Firma: „Teile der Bildbearbeitung wurden ausgelagert, was zu einer Entlastung führte. Wir bearbeiteten nur noch Akzidenzaufträge, also Schöndruckaufträge, aus der Tagesproduktion heraus. Ich fotografierte weiterhin Porträts, kleine Veranstaltungen und Reportagen inhouse.“ Dadurch konnte er zum einen wieder verstärkt seine Leidenschaft, die Fotografie, ausleben. Zum anderen blieb mehr Zeit für das Wichtigste im Leben.

„Durch diese Veränderungen entfielen Abend- und Wochenenddienste, was mehr Zeit für die Familie ermöglichte. Sie steht an erster Stelle. Heute meine Enkel heranwachsen zu sehen, ist wunderschön.“

Von Entwicklerlösungen und Rotlichtlampen zu Mikrochips und KI-Untersützung: Christian Stuppners Berufsbild hat sich im Laufe der Zeit so stark verändert wie nur wenige andere. Eine Herausforderung – aber auch eine Einladung, stets weiter zu wachsen.

 „Für mich hat sich gezeigt, dass das Einzige, was wirklich Bestand hat, der Wandel ist. Man muss offen für Neues sein und sich darauf einlassen. Dann ergeben sich die Chancen, interessante neue Dinge kennenzulernen.“

Eine Besucherin der Ausstellung „Museum des Wandels" der AK Vorarlberg sitzt lächelnd in einem gelben Sessel und hört mit einem Kopfhörer ein Audio- oder Video-Interview. In der Hand hält sie das Kabel des Kopfhörers sowie einen Flyer der Ausstellung. Auf dem kleinen Holztisch neben ihr liegen weitere Ausstellungsflyer.
© AK Vorarlberg
Drei Besucherinnen und Besucher der Ausstellung „Museum des Wandels" der AK Vorarlberg in der Hörstation: Eine Person sitzt mit Kopfhörer auf einem gelben Sessel und schaut auf den Bildschirm, während zwei weitere Personen daneben sitzen bzw. hocken und miteinander sprechen. Im Hintergrund ist an der grauen Wand ein Zitat aus dem Interview mit Christian Stuppner zu lesen: „Letztendlich brachte jede Veränderung jedoch eine Verbesserung bzw. eine Arbeitserleichterung mit sich."
© AK Vorarlberg

Ausstellung im AK Foyer

Die Ausstellung des Museum des Wandels ist von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr im Foyer der AK Vorarlberg in Feldkirch geöffnet. Zu den Ausstellungsstücken zählen eine Filmrolle, eine Speicherkarte und ein Videointerview. 

Zu Christian Stuppner ist – wie zu jeder Ausstellung – ein gedrucktes Buch im Reclam-Format erschienen. Gerne senden wir Ihnen kostenlos ein Exemplar zu.

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