
Eine junge Frau, die ins Berufsleben einsteigt. Eine alte Frau, die dessen Ende herbeisehnt. Und dazwischen eine Frau, die keinen Platz mehr darin hat. Das neue Stück „Schöne alte Arbeitswelt“ der Vorarlberger Autorin und Regisseurin Daniela Egger beleuchtet das Arbeitsleben als Spielfeld, auf dem unterschiedlichste Hintergründe und Bedürfnisse miteinander auskommen müssen. Schauspielerin Vivienne Causemann brilliert in allen Rollen des Solostücks, dessen drei Aufführungen am 25., 26. und 27. Juni 2026 auf der Schaffarei Bühne restlos ausgebucht waren.
282 Bewerbungen hat Birgit in den vergangenen zwei Jahren abgeschickt. Auf die meisten davon gab es eine Standardabsage. Oder gleich gar keine Antwort. Zu vier Bewerbungsgesprächen wurde sie eingeladen. Und als wäre diese lächerliche Zahl nicht schon frustrierend genug, wurde sie bei allen abgelehnt. Nun wurde auch noch ihr Antrag auf Weiterbildung vom AMS abgelehnt. Mit 54 Jahren ist Birgit zu alt für den Arbeitsmarkt, zu jung für die Pension. Gefangen in dem Dazwischen, das zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist.
Ihrer Wut darüber macht sie in einem Song Luft – selbstkomponiert, denn wenn es schon mit dem Angestelltenverhältnis nicht klappen will, will Birgit nun ihren Traum verwirklichen und sich als Musikerin selbständig machen. „Karriereleiter? Leider nein! Immer weiter, das muss sein“, heißt es in dem Lied, bevor der Refrain allen Frust auf den Punkt bringt:
So nimmt das Leben seinen Lauf
Und manches nimmt man halt in Kauf
Gibt's da auch ein Runners High?
Und ist der Run auch mal vorbei?

Birgit ist eine der drei Figuren im aktuellen Stück „Schöne alte Arbeitswelt“, das die Vorarlberger Autorin und Regisseurin Daniela Egger im Auftrag der AK Vorarlberg geschrieben hat und Schauspielerin Vivienne Causemann überragend auf die Bühne bringt. Darin versuchen drei Frauen aus drei Generationen ihren Platz in einer gemeinsamen Arbeitswelt zu finden. Doch wie soll das gehen, wenn die Lebenswelten kaum unterschiedlicher sein könnten?

So sehnlichst Birgit auf Bewerbungsgespräche wartet, so genervt davon ist Thea. Sie hat ein Start-Up gegründet und große Pläne. Doch bis das auf eigenen Beinen steht, muss sie nebenbei noch als Angestellte für ein Unternehmen arbeiten. Als Personalerin soll sie neue Mitarbeiter:innen finden. Die junge Frau führt Bewerbungsgespräch um Bewerbungsgespräch, nur: Die Video-Calls mit den noch jüngeren Digital Nomads fühlen sich an wie das immer gleiche Gespräch in Dauerschleife. Bloß keine Vollzeitarbeit, maximale Flexibilität statt „9 to 5“, persönliche Entfaltung als oberste Maxime. Dabei kann Thea die Gen Z eh verstehen. Bis vor Kurzem gehörte sie ja selbst noch dazu, muss nun aber ihre Eltern pflegen. Und nicht nur die jungen Kolleg:innen bringen sie zur Verzweiflung, sondern auch die alten – gehen die doch einfach in Pension, ohne ihr Wissen zu teilen, so als könnten sie es mit in den Ruhestand nehmen.

Eine dieser Frauen kurz vor der Pension ist Iris. Mit Anfang 60 scheint der Ruhestand für sie endlich in greifbarer Nähe – nur um ihr Jahr für Jahr, der stetigen Anhebung des Regelpensionalters sei „Dank“, vor der Nase davonzuhüpfen. Und so sitzt sie mit ihrer neuen, künstlichen Hüfte und den schwächer werdenden Augen immer noch tagein, tagaus im Büro und versucht diese Welt zu verstehen, in der die Unter-30-Jährigen scheinbar nur noch nach Lust und Laune in die Firma kommen und Berufseinsteiger zum Vorstellungsgespräch ihre Mütter mitbringen. Macht jeden neuen Digitalisierungstrend mit, weil es als Führungskraft von ihr erwartet wird und ihr die Jungen sonst davonlaufen würden. Das würden die Alten auch am liebsten, aber die fürchten um ihre Pension. Iris zerreibt sich in der Rolle als Bindeglied zwischen den Generationen und bringt das Problem auf den Punkt: Wie nur soll man diese vielen Lebenswelten zu einem Team zusammenbekommen?
Schauspielerin Vivienne Causemann gibt all diesen Rollen Authentizität und Tiefe. Der Frust, die Abgeklärtheit und das Resignieren sind beinahe zu greifen. Dabei stellt sie in diesem Stück nicht nur ihre Schauspiel-, sondern auch ihre Musikkünste unter Beweis: Das Lied der Birgit singt und spielt Causemann live.
Autorin und Regisseurin Daniela Egger zeigt in „Schöne alte Arbeitswelt“ eindrucksvoll, wie drei Generationen vor der gleichen Herausforderung stehen – wenn auch an unterschiedlichen Punkten: Alle müssen sich auf dem Spielfeld Arbeit zurechtfinden, doch das mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen. Wie soll Birgit wieder ins Arbeitsleben zurückfinden, wenn sie aufgrund ihres Alters schon im Vorhinein nicht einmal zu Bewerbungsgesprächen eingeladen wird? Wie soll Thea in einem Angestelltenverhältnis glücklich werden, das so gar nicht das ist, was sie sich vom Leben vorstellt? Und wie soll Iris die Birgits und Theas in ihrem Unternehmen miteinander versöhnen?
„Die Recherchen zu diesen Stücken im Auftrag der Arbeiterkammer sind immer ernüchternd. Mir war gar nicht klar, wie eng der Arbeitsmarkt derzeit für Menschen meines Alters ist. Aber auch für sehr junge Leute, die sich extrem bemühen müssen, um überhaupt in einem Unternehmen Fuß zu fassen. Dabei hat die KI-Revolution noch gar nicht richtig begonnen.“
Autorin und Regisseurin Daniela Egger

Wie stets beim Mut-/Wutausbruch ordneten auch diesmal wieder verschiedene Expert:innen unter der Moderation von Brigitta Soraperra das Thema ein. Im Anschluss an das Stück nahmen am ersten der drei ausgebuchten Abende Perrine Getzner (Leitung Personalentwicklung & Lehrlingsausbildung bei Getzner Textil), Diana Panzirsch (Keynotespeakerin, Workshopleiterin und Mentorin, Gründerin Sindbad Vorarlberg), Patrick Breuss (Geschäftsführer Integra Vorarlberg) und Gabriele Graf (AK Interessenspolitik Generationenmanagement und Betriebliche Gesundheitsfürsorge) auf der Bühne Platz. Am zweiten Abend folgten Paula Rümmele (Projektleiterin Frauen in Technik im Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung), Beyaz Yoğurtçu-Acar (AK Kammerrätin und Controllerin bei Hilti & Jehle) und Benedicte Hämmerle (ehem. Geschäftsführerin arbeit plus und Unternehmensberaterin) und am dritten Abend AK Präsident Bernhard Heinzle, (Ulli Schmid-Santer (Geschäftsführerin arbeit plus und Soziale Unternehmen Vorarlberg) sowie Martina Draxl (Sozial- und Berufsberaterin im Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung). Die Gäste nutzten die Gelegenheit, mit Expert:innen aus Forschung und Praxis über die Zukunft der Arbeitswelt zu diskutieren. Und alle waren sich einig: Ein möglichst konfliktfreies Zusammenarbeiten kann nur mit Empathie und Toleranz gehen.








